Ein haariger hungriger Gast

Zwischen Taubenschlag und Kaninchenstall fand ich heute (neben einigen Taubenfutterkörner, die mir gestern Nachmittag heruntergefallen waren) einen dicken gefrorenen Haufen tierischer Exkremente.


Der eilig herbeigerufene Rat, bestehend aus zwei Jägern und der ansässigen Hundebesitzerin, befand nach eingehender Zerbröselungs- und Geruchsprobe, dass es der Hund nicht war und der Yeti eher auch nicht.
Vielleicht käme zwar noch ein Marderhund in Frage, aber wahrscheinlicher ist es ein Fuchs gewesen, der uns da des Nachts besucht hat. Das ist so direkt in der Warft eher ungewöhnlich, denn auch wenn der Fuchs nun den Eispanzer nutzt um nach Oland zu laufen, würde er die Menschennähe doch eher meiden.
Vermutlich ist es ein sehr hungriger Fuchs…
Die Halligen sind traditionell von Raubwild frei, höchstens gibt es im Winterhalbjahr mal diese Besuche aus der Not heraus. Für mich gibt es keine guten oder schlechten Tiere und ich mag Füchse – aber nicht auf der Hallig. Bald beginnt die Brutzeit und für bodenbrütende Vögel ist ein anwesender Fuchs eine Katastrophe. Nicht, weil er unbedingt alle Vögel frisst, sondern weil die Störung einfach immens ist. Ganze Kolonien seltener Vögel werden aufgerieben und geben ihre Gelege auf. Am Festland gibt es überall Füchse und die Halligen sind die letzten fuchsfreien Refugien für geschützte Vogelarten wie Seeschwalben, Säbelschnäbler, Austernfischer, Löffler und viele andere. Das sollte auch so bleiben.
Der Oländer Lorendamm besitzt einen 100 Meter langen Bauabschnitt, der dem Fuchs den Übertritt erschweren, bzw. unmöglich machen soll. Das ist eine sehr sinnvolle Maßnahme und es bleibt zu hoffen, dass es funktionieren wird. Im Moment ist die „Fuchssperre“ wegen des Eises natürlich außer Kraft. Meiner Meinung nach ist es ein großer Unterschied, ob ein Fuchs im Ausnahmefall  über das Eis wandert oder ob der Mensch ihm eine bequeme Fuchsstrasse baut, über die er dann läuft. Das eine ist Natur, das andere menschliche Unvernunft.

Aktuell wird nicht gebrütet und da die Ställe der Haustiere gut gesichert sind, wünsche ich dem Besucher – Fuchs, dass er durch Kälte und Nahrungsmangel nicht leiden muss und bald den Heimweg findet. Vielleicht erlöst er vorher noch die arg geschwächte Ringelgans, die seit einigen Tagen auf der Warft Schutz sucht.

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4 Kommentare zu “Ein haariger hungriger Gast

    • Warum sollte der sehr hungrige Fuchs ausgerechnet in Menschennähe bis auf die Warft gehen? Er findet auf dem Eis im Watt an vielen Stellen tote Vögel, die er sehr viel einfacher und ungefährdeter als Nahrung nutzen könnte. Am Fr. sah ich vor Dagebüll auf dem Eis an verschiedenen Stellen tote Austernfischer, Rotschenkel und Alpis. Außerdem sieht man Krähen und Bussarde stellenweise weit draußen auf dem Eis. Und wenn der Fuchs bis auf die Hallig kommt, hat er in der hohen Vegetation im Vorland, weitab vom Menschen, sehr viel bessere Versteckmöglichkeiten.

      • Natürlich haben wir uns das auch gefragt, aber keine Antwort darauf gefunden. Vielleicht war die Nähe der Haustiere zu verlockend? Vielleicht der Fuchs schon aus Schwäche unvorsichtig? Wer weiß… Wir haben den Hund dort ein bißchen schnuppern und markieren lassen und seitdem gibt es auch kein Fuchs – Zeichen mehr an dieser Stelle.

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