Spielkameraden für Primadonna

Primadonna blieb ein paar Tage unser einziges Lamm. Ihre junge und wilde Mutter hielt es nicht allein in der Scheune aus, sprang sogar übers Gatter und jammerte anschließend kräftig, weil Primadonna natürlich nicht hinterherspringen konnte.

So begannen sie das große Klagen auf beiden Seiten der Bretter, durch deren Lücken Mutter und Tochter sich sehen konnten. Ich halts nicht aus so allein, los komm rüber, wir hauen ab. Mama nein, ich schaff das nicht, ich bin doch noch so klein, komm zurück zu mir. Ausgeschlossen, ich brauche Gesellschaft, was weißt Du schon davon, glaube mir, draußen bei Deinen Tanten ist es viel schöner als hier allein. Mama, laß mich nicht zurück! Da kommt der Schäfer, ich schau ihm mal tief in die Augen.

Der Schäfer ließ sich erweichen, vereinte Mutter und Tochter und öffnete beiden das Scheunentor zur Welt. Die erste Nacht war kalt und dunkel, aber Mama hat mich gewärmt und beschützt. Und ich sage Euch, am nächsten Tag diese Lust zu rennen, erst den Deich hoch, dann den Deich wieder runter – wunderbar. Jeden Tag schnappt mich der Schäfer, krault mich, und nimmt mich mit zu seiner Frau. Einmal haben mich die beiden Hunde von oben bis unten abgeschleckert. Das war mir nicht geheuer, und wenn der Schäfer mich nicht festgehalten und beschützt hätte, wäre ich davon gelaufen.

Ich bin Primadonna, die Nr. 1!

Nach drei Tagen hörte ich plötzlich ganz leises, helles Blöken in der Scheune und nach der nächsten Nacht brachte der Schäfer mir ein paar Spielkameraden. Die waren noch viel kleiner als ich und konnten natürlich nicht so schnell rennen wie ich, aber toll ist das trotzdem, denn jetzt brauche ich nicht mehr bei Mama zu betteln, daß sie mit mir spielt. Wir können gemeinsam rennen, erst den Deich hoch, dann den Deich wieder runter. Springen tun wir auch, immer um die Wette, hoch und wild.

Manchmal ärgern wir gemeinsam die dicken, langweiligen Tanten, besondern wenn eine daliegt und laut stöhnt und preßt. Neugierig schleichen wir uns an, wie unser Schäfer das auch tut, und schnuppern diesen Geruch nach neuem Leben, manchmal steht die Tante dann auf und versucht uns zu stoßen, aber sie kriegt uns natürlich nie, denn wir sind viel schneller und springen in alle Richtungen davon, jauchzend vor Übermut und Freude auf neue Spielkameraden, die gerade geboren werden, schnell zu Mama – trinken – und dann ausruhen in der Sonne.

Einmal in der Nacht hat die schwarze Tante Nina so laut gestöhnt, daß ich davon aufgewacht bin. Alles war dunkel, ich konnte gar nichts sehen, hörte aber deutlich zwei zarte Lämmerstimmen. Dann kam auch schon unser Schäfer mit der Taschenlampe und nahm etwas dunkles, wimmerndes mit in die Scheune. Ich bin gespannt auf diese neuen Spielkameraden.

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4 Kommentare zu “Spielkameraden für Primadonna

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