Primadonna und die Gänse

Nina und Simone haben natürlich auch schon längst Lämmer bekommen. Neulich habe ich sie das erste Mal gesehen, aber wie und wann sie geboren wurden konnte ich nicht beobachten, denn ich bin schon seit geraumer Zeit nicht mehr auf der Warft gewesen. Ich tolle lieber mit meinen Spielkameraden über die Salzwiesen.

 

Unser Schäfer hat alle Lämmer, die groß genug waren, eines Tages zusammengerufen und dann das große Tor unten an der Warft geöffnet. Da sind wir schnell mit unseren Müttern hinausgestürmt. Das gab vielleicht ein Geblöke und ein Durcheinander: Alle Tanten riefen nach ihren Kindern, und diese schrien nach ihren Müttern. Ich hatte in dem Chaos natürlich auch meine Mama verloren, denn die war so wild und preschte gleich los, während ich noch mitten in der Herde steckte. Aber zum Glück dauerte es nicht lange, bis sie mich vermißte und zurückkam – ich hörte sie laut rufen. Mit einigen anderen haben wir uns dann auf den Weg gemacht, dorthin, wo das schönste frische Gras wächst. Und das schmeckt! sage ich Euch, denn mittlerweile fresse ich auch davon. Mama hat mich überzeugt, daß Milch allein nicht glücklich macht. Köstlich sind auch die ganz jungen Triebe von Wermuth und Halligflieder, die gerade anfangen zu wachsen.

Auf den Salzwiesen ist viel mehr Platz als auf dem Deich, sodaß wir Lämmer wirklich übermütig herumtollen können. Die anderen können natürlich schon genau so schnell rennen wie ich. Spielend springen wir über die kleinen Gräben und Priele, erst hin und dann wieder zurück, aber Wettrennen bringt am meisten Spaß. Unser Schäfer besucht uns manchmal, meistens abends, wenn die tief stehende Sonne die Salzwiesen in ganz warmes Licht taucht. Er versucht mich immer noch zu schnappen, aber es gelingt ihm nicht mehr, denn ich bin inzwischen viel zu flink und strecke ihm dann die Zunge heraus.

 

Auf den Salzwiesen sind auch ganz viele Gänse. Manchmal landet ein großer Schwarm mitten zwischen uns Schafen. Sie lassen sich nicht stören, wenn wir Lämmer uns neugierig anschleichen, sondern fressen weiter das leckere frische Salzwiesengras. Rott-rott-rott schnattern sie dabei und erzählen mit ihrem eigentümlichen Singsang von ihren Erlebnissen auf der Reise nach Sibirien, wo sie brüten und ihre Gänseküken aufziehen. Nachts liege ich an Mama geschmiegt und lausche ihren Geschichten.

 

Auf dem Deich an der Warft sind noch einige langweilige Tanten mit ihren kleinen Lämmern. Nina und Simone sind auch dabei. Nina hat zwei schwarze Jungs und Simone zwei weiße Mädchen bekommen.

Hallig Gröde grüsst die Ringelganstage!

Hallig Gröde grüsst die Ringelganstage!

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2 Kommentare zu “Primadonna und die Gänse

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