Landunter

Nach dem letzten Nachthochwasser mit heftigem Wind stand das Meer wieder vor der Tür.

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Der Festlandstag – im Winter für die Hooger nur am Donnerstag möglich, weil an diesem Tag morgens und abends die Fähre kommt – fällt damit ins Wasser. Die Reederei bietet eine spätere Fahrt gegen Mittag an, aber wir kommen nicht mit dem Auto zum Anleger, weil sich auf den Wegen noch die Nordsee breit macht. (Es soll jedoch wild entschlossene Halligleute geben, die sich in ihre Wathosen stürzen, um dieses Schiff zu bekommen).

Das Wasser hatte diesmal auch ein paar dicke Eisbrocken im Gepäck, die an einigen Stellen Spuren hinlassen haben.

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Landunter verändert den gewohnten Anblick der Hallig so radikal, wie der erste Schnee. Irgendwie bleibe ich doch immer wieder am Fenster hängen, wenn gleich vor der Küche ein paar hübsche Meeresenten vorbeiplätschern. Und als heute morgen die Sonne aufging, hatte das ganze Gedröhne, Pfeifen und Hyperventilieren für einen kurzen Augenblick Pause – als hätte das Universum einmal tief in den Bauch geatmet.

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Die goldene Mitte

Wenn Halligschul -Eltern und -Lehrer sich austauschen wollen, dann müssen sie sowohl räumlich als auch ideell die goldene Mitte suchen.

Ersteres fanden wir heute in Schlüttsiel. Von jeder Hallig mit aktiver Schule kämpfte sich mindestens ein Elternteil oder Lehrer durch den eisigen Wind zu einem zwanglosen Gespräch, initiiert, unterstützt und moderiert von der Biosphärengemeinschaft.

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Ideell fanden wir uns auch. Es ist immer wieder schön, sich zu sehen und zu reden und an den verschiedenen Situationen auf den Halligen Anteil und Kenntnis zu nehmen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten teilen wir gleichermaßen. Thema war heute z.B. die Weiterentwicklung des e-learning, d.h. Englisch- und Französischunterricht für alle Halligschüler am PC. Während ein Teil der Schüler über dsl verfügt, wedelt der andere Teil noch mit dem Datenstick hinter dem schnellen Netz her.

In welcher Form kann man zusammenarbeiten, welche Projekte sind sinnvoll, um die Halligkinder zusammen lernen zu lassen und wie bewältigt man technische und räumliche Schwierigkeiten? Das hört sich einfacher an als es ist, aber wir bekommen das, jedenfalls teilweise, gemeinsam hin.

Nun tobt draußen der nächste Schneesturm und isoliert uns Halliglüüd physisch wieder kurzzeitig voneinander. Aber gefühlt sind wir uns heute wieder ein Stück näher gerückt und freuen uns auf kommende gemeinsame Aktivitäten. Wir haben auch gleich geschaut, wo Tuvalu liegt:

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Winterliche Vogelinventur

Letzte Woche wurden an der gesamten Wattenmeerküste alle Vögel gezählt. Diese Zählungen, mehrfach im Jahr, finden immer in allen Gebieten gleichzeitig statt. Es wird an einem Tag zu Springtide bei Hochwasser gezählt, weil die Vögel dann an den Kanten rasten und nicht im Watt verstreut Nahrung suchen. Das hört sich erstmal einfach an, aber es ist schon eine Herausforderung… Auf Oland gibt es z.B. eine Stelle, an der das Hochwasser oft noch eine Wattfläche übrig lässt und dort tummeln sich dann viele kleine graue Vögelein auf grauem Boden.

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Die mittwinterliche Zählung ist immer sehr spannend, quasi eine Wundertüte, denn es kann „alles drin“ sein. Es gibt ja nicht nur die Vögel, die im Winter garantiert weit weg gezogen sind, sondern auch viele Arten, die spontan und kleinräumiger auf bestimmte Wetterereignisse reagieren.

So war es ja im Dezember schon einmal recht kalt und es verschwanden z.B. die meisten der Gänse. Als es dann um Weihnachten mild wurde, zogen große Trupps Gänse wieder gen Norden und überquerten auch Oland. Unsere Zählung fand nun am Beginn der erneuten Kälteperiode statt und wir waren neugierig, welche Vögel noch da sind, welche schon und welche nicht.

Ringelgänse waren da und zwar mehr als 200 Tiere und das ist viel für Januar.

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Austernfischer sind eigentlich immer anwesend, aber es bleibt in Frage, ob es „unsere Vögel“ sind oder nicht wenigstens teilweise Tiere aus dem Norden. Dann säßen die Hallig-Austernfischer jetzt ein Stückchen weiter südlich. Vielleicht liest ja jemand in diesem Winter noch einige von uns beringte Vögel ab, dann wissen wir es genau.

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Schneeammern sind Wintergäste bei uns und immer ein wunderbarer Anblick, wie ich finde.

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Das Zählgebiet Langeness und Oland wird von der Schutzstation Wattenmeer bearbeitet. Die Ergebnisse werden weitergemeldet, zentral gesammelt und ausgewertet. Für diese Zählung waren wir nun ein fröhliches Team aus vier Personen, konnten uns mit dem anstrengenden Gucken im grellen Winterlicht abwechseln und Oland in zwei Teilen ablaufen. Insgesamt sahen wir Küstenvögel aus 20 verschiedenen Arten und dazu noch einige Singvögel. Am meisten Individuen gab es vom Alpenstrandläufer zu sehen, nämlich 3417 (winzige graue wuselnde Vögel…). Vielleicht haben wir uns da auch um 1 oder 2 verzählt….. Aber allen Zweiflern sei gesagt: wenn vier erfahrene Zähler auf eine ungefähr ähnliche Zahl kommen, dann ist das weit mehr als nur eine Schätzung.

Isabelle, Andi und Tim möchte ich für das nette Teamwork danken und Tim für die beiden Vogel- Fotos.

 

Nein, ist es nicht!

In jedem zweiten Weihnachtskontakt an mich kam die Frage vor, ob der Winter auf der Hallig nicht langweilig sei. Und warum ich gerade so wenig schreiben würde, ich hätte doch sonst sicher nicht viel zu tun…. Und dann noch dieses graue Wetter…

Nein nein, es ist nicht langweilig. Es ist eine normale jahreszeitliche Entwicklung, dass meine Kreativität gerade brachliegt und weder ein Zeichen von Lustlosigkeit aus Langeweile noch von Überarbeitung. Es ist so schön, im Winter mal aus dem Hamsterrad herauszukommen, einfach so seinen Alltag zu puzzeln, Dinge aufzuarbeiten und Dinge liegenzulassen.

Und das hier werte ich als beherzten Versuch der Sonne gegen das graue Wetter:

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Wenn die Sonne im Sommer wieder meinen vollen Terminkalender bestrahlt und meinen Tag aufs gemeinste bis ins Unermessliche dehnt, dann werde ich mir ab und an dieses Bild angucken und mich an den schönen  Spaziergang heute erinnern.